Feb
21

Lost Place – Sternburg Brauerei

Geocaching       Trackback

Unser hundertster Cache sollte etwas ganz besonderes werden, dessen waren wir uns schon von vornherein sicher. Da wir beide uns gern in den so genannten Lost Places herumtreiben, ging es heute nach Lützschena. Vor einiger Zeit waren wir schon einmal dort. Damals um den dortigen Bismarckturm zu besuchen. Auf dem Weg sahen wir schon das letzte Mal dieses faszinierende Objekt, wohlwissend, dass sich in dessen Katakomben ein Geocache befindet. Ich erinnere mich heute noch an meinen Kommentar dazu: „Ich bin doch nicht verrückt und steige dort in den Keller“. Man darf nicht vergessen, dass sich dort schon die Abrissbagger herumtrieben.

Jetzt allerdings, ca. 70 Caches und auch einiger verrückte Erlebnisse später, denkt man über solche Sachen völlig anders. Mir ging nur eins durch den Kopf: „Wenn du dich nicht beeilst, hast du nie wieder die Chance, dieses tolle Objekt zu erkunden“. Und da es ja unsere Nummer 100 werden sollte, war dies der passende Moment für solch einen leicht verrückten Ausflug.

Da die Goettine ja immer die Geschichte mit einbezieht, welche ich stellenweise etwas vernachlässige, will mich an dieser Stelle einmal etwas bessern. Gebaut wurde die Brauerei vom Leipziger Kaufmann und Wollhändler Maximilian Speck von Sternburg. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Brauerei immer weiter und erlebte in der DDR eine wahre Blütezeit.

Das Bier welches man bei der Leipziger Frühjahrsmesse 1966 mit einer Goldmedaille ausgezeichnete, wurde nach Ungarn, Rumänien, Bulgarien und in die Sowjetunion exportiert, sowie bei der Bordverpflegung auf den Schiffen der DDR und in den Flugzeugen der DDR-Fluglinie „Interflug“ eingesetzt. Nach der Wende fiel das Ganze in die Hände der Treuhand. Um es abzukürzen, das letzte Bier wurde am 15. Mai 1991 gebraut. Wer sich die komplette Geschichte der Brauerei durchlesen möchte, kann dies natürlich gern an dieser Stelle tun.

Es war schon ein besonderes Gefühl dieses geschichtsträchtige Gelände zu betreten. Leider sah man schon von außen, dass überall der Zahn der Zeit und Zerstörung genagt hatte. Aber egal, es gab noch eine Menge zu erforschen. Um ehrlich zu sein, dies war mein erster Geocache, bei dem ich es stellenweise komplett vergaß, dass ich ja eigentlich hier war, um ein Versteck zu suchen. Viel zu faszinierend war es, in den alten Gemäuern herumzustrolchen. Man sah anhand der Löcher im Boden sogar noch genau, wo ehemals die riesigen Braubehälter gestanden haben. Dann ging es in die Tiefe, hinunter, dorthin wo ehemals scheinbar das Bier in riesigen Tanks gelagert bzw. gebraut wurde. Gänge, ca. 30 m lang, links und rechts des Weges Bullaugen, welche den Blick auf die großen Behälter freigaben. Die einzigen Messinstrumente waren scheinbar die darüberliegenden Thermometer.

Eine Etage tiefer, das gleiche Bild nur hier stand das Wasser schon etwas zu hoch, um noch weiter zu kommen. In der anderen Richtung gab es allerdings noch einen Weg, der uns direkt in die ehemaligen Bierkeller führte. Riesige Räume, überall lag noch der Hefegeruch in der Luft, obwohl dieser Ort schon lange kein Bier mehr in sich beherbergt hat. Ein wirklich toller Platz, ein perfekter 100ster Cache (welchen wir übrigens gefunden haben) und ein Verlust, wenn er abgerissen wird. Wirkliche sehr schade darum.

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